Bei einer Seelenrückführung werden abgespaltene Seelenanteile zurückgeholt
Seelenrückholung ist eine der wichtigsten Heilmethoden im Schamanismus [1]

Was passiert mit mir während einer schamanischen Reise?

Ich empfehle meinen Klienten während der Reise (ob nun vor Ort oder in der Ferne) sich einfach ruhig zu verhalten. Es ist möglich, dass Du Gefühle hast, die in Verbindung mit den Seelenanteilen stehen, oder dass Erinnerungen hochkommen. Manche Menschen spüren auch ein leichtes Kribbeln oder sind aufgeregt. Ansonsten bist Du bei vollem Bewusstsein.

Es hat sich bewährt während der Reise (gerade wenn es sich um eine Fernbehandlung handelt) aufzuschreiben, was du wahrnimmst bzw. was dir gerade so einfällt.

 

Gerade dann, wenn Seelenanteile zurückgebracht werden, nehmen viele Menschen etwas ein warmes Gefühl oder eine Art Kribbeln wahr. In der Regel folgen mit den Seelenanteilen auch Gefühle, oft handelt es sich um eine Mischung aus Freude (über die "Wiedervereinigung") und Trauer (über das Erlebnis selbst, das zum Seelenverlust geführt hat bzw. über die Jahre, die man in Abspaltung von der Seelenanteilen gelebt hat).

  

Gibt es Nachwirkungen?

Ja, die gibt es. Nach der Rückholung kann es zu Reaktionen kommen, die von der Geschichte, dem Alter und dem Grund, weshalb der Seelenanteil gegangen ist, geprägt sind. So kann es manchmal (nicht immer!) z.B. zu Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Erinnerungen, Träumen oder ähnlichem kommen, aber immer in einer Dosierung, mit der der Klient umgehen kann sofern keine psychischen Vorerkrankungen zugrunde liegen. Diese Reaktionen dauern ein paar Tage (meist 3-4 Tage) an, bis die Anteile besser integriert sind.

Um eine Retraumatisierung zu vermeiden (Retraumatisierung = die erneute Traumatisierung durch die Beschäftigung mit einem Trauma) werden die Seelenanteile bereits in der Anderswelt "gereinigt" und geheilt. Das ist ein sehr wichtiger Teil der schamanischen Reise selbst, um eine erneute Traumatisierung zu vermeiden und ich messe diesem Teil meiner Arbeit großen Wert bei. Normalerweise helfen diese Nachreaktionen - sofern sie überhaupt auftreten - dabei, die mit dem Seelenverlust verbundenen Themen abzuschließen. Es ist also nichts, wovor man sich zu fürchten braucht. Solltest du etwas nach der Seelenrückholung spüren, was dich verunsichert, stehe ich gerne für ein Nachgespräch zur Verfügung.

 

Wieviel muss ich im Vorfeld erzählen, damit die schamanische Reise gemacht werden kann?

Ein schamanisch Praktizierender kann reisen ohne dass du etwas von dir und deiner Biographie erzählst. Zu einer schamanischen Reise gehören aber auch ein Vor- und Nachgespräch und diese werden sich entsprechend anpassen - je nachdem was du erzählst: Je besser der schamanisch Reisende weiß, wo du in deinem Leben stehst, je deutlicher du kommunizieren kannst, was du bereits über dich weißt, desto effektiver können die Vor- und Nachgespräche genutzt werden.

 

Beispiel:

Ein Klient hat als Kind emotionale Gewalt zu Hause erlebt. Auf der schamanischen Reise kommen die entsprechenden Seelenanteile zurück, der schamanisch Praktizierende hat gesehen, weshalb die Seelenanteile verloren gingen. Ein professioneller Praktizierender wird allerdings das Thema der erfahrenen Gewalt nicht direkt ansprechen, wenn es der Klient nicht selbst so formuliert hat - denn das wäre grenzüberschreitend. Ist aber im Vorgespräch geklärt, dass der Klient sich dessen bewusst ist, kann im Nachgespräch ganz anders auf das Thema eingegangen werden.

 

Eine kleine Anamnese im Vorfeld empfehle ich normalerweise. Krankheiten, Unfälle, eventuelle Todesfälle von nahestehenden Menschen und ähnliches. Diese Informationen brauche ich weniger dafür, um die Seelenanteile zu finden, sondern mehr deshalb, damit ich die Seelenanteile zur Rückreise motivieren kann. Eine Seelenanteil ist ein traumatisierter Teil von dir. Er befindet sich seit dem Trauma in genau dem Zustand, in dem er sich befand, als er ging. Für ihn hat sich die Welt nicht verändert. Er ist dort "hängengeblieben". Einige Seelenanteile wollen sofort mitkommen, andere sind "skeptisch", haben Angst oder wissen schlicht und ergreifend nicht, dass der Mensch heute erwachsen ist und ein völlig anderes Leben führt. Da ist es einfach hilfreich, wenn man etwas über die Umstände weiß bzw. etwas darüber, was sich in der Zwischenzeit (zum Positiven) verändert hat.

 

Manchmal hat man auch ein ganz spezifisches Thema für eine Reise, und dann zeigen sich einfach die Seelenanteile, die mit dem Thema verbunden sind (z.B: Thema "Angst im Dunkeln"). Oder Du hast eine spezielle "Situation" (z.B. ein Autounfall), bei der Du weißt, dass etwas verloren gegangen ist. Dann brauche ich keine ganze Anamnese.

Eine Anamnese ist keine Voraussetzung für eine Seelenrückholung, aber eine gute Unterstützung.

 

Einige Klienten meinen einen schamanisch Praktizierenden testen zu müssen. Ja, kann man machen. Reisen funktioniert auch "blind". Die Frage ist, was der Klient davon hat. Je ehrlicher und tiefer du dich auf die Einzelarbeit einlässt, desto kräftiger und effektiver kann sie wirken.

Generell gilt: Erzähle mir immer nur das, was du mir wirklich erzählen möchtest, um bestmögliche Hilfe zu erfahren.

 

Kann ich bestimmen, welche Seelenanteile zurückkommen sollen?

Nein, das geht leider nicht. Ich kann natürlich gezielt nach den von dir ersehnten Anteilen fragen, aber eine Garantie gibt es nicht. Ich selbst habe keine Kontrolle darüber, welche Teile zurückkommen - das entscheidet nämlich deine Seele selbst. Ich trage Dein Anliegen vor und werde geführt. Das klingt sehr abgefahren, genau so funktioniert aber Schamanismus. Ehrlich gesagt, ist das auch gut so. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Seele viel schlauer ist als wir Menschen und dass immer genau die Teile kommen, für die es an der Zeit ist. Und es kommen auch nur so viele, wie für den Menschen verdaubar sind. In einer Psychotherapie kann man ja auch nicht alles in einer Stunde hochholen. Da wäre unsere Belastbarkeit überschritten.

Seelenanteile wollen integriert werden. Für manche Menschen ist eine einzige Seelenrückholung ausreichend. Andere brauchen vielleicht mehrere im Laufe ihres Lebens, gerade dann, wenn man viel schlimmes erlebt hat. Sollte dies der Fall sein, dann ist es von enormer Wichtigkeit, dass die zurückgeholten Seelenanteile erst integriert wurden, bevor neue zurückkommen.

 

Wie genau sieht die nach der Seelenrückholung anstehende Integrationsarbeit aus?

Nach der Seelenrückholung steht eine Integrationsarbeit von einem halben Jahr an. Integrationsarbeit ist individuell und ist auch Gegenstand des Nachgesprächs - denn es ist wichtig, dass deine Integrationsarbeit zu dir passt.

Es gibt allerdings ein paar Grundprinzipien:

Integrationsarbeit soll den Seelenanteilen dabei helfen, mit deinem heutigen Leben vertraut zu werden. Und zwar vor allem mit den Dingen in deinem Leben, die lebenswert sind - dafür braucht es täglich nur ein paar Sekunden Aufmerksamkeit. Am Besten gelingt dies, wenn Du Dir einmal am Tag Zeit nimmst, um bewusst etwas in Deinem Leben zu genießen (ein Schluck Kaffee am Morgen, gutes Essen, die Gesellschaft von jemandem, der Dir wichtig ist, Natur usw.). Der Gedanke "Hallo Seelenanteile, aufgepasst, hier ist etwas, was ich richtig gut finde an meinem Leben" hilft beim Integrieren.

Wie deine Integrationsarbeit konkret aussieht, wird unter anderem im Nachgespräch zusammen mit dir erarbeitet.

 

Was ist ein Schamane?

Der Begriff des Schamanen ist komplex, viel diskutiert und verlangt einige Achtsamkeit.

Der Terminus des „Schamane“ stammt ursprünglich von den Tungusen, einer Rentiere hütenden Ethnie aus der Region des Baikalsees in Südrussland. Das tungusische Wort für Schamane „saman“ entsprang deren Wort „sa“ für „wissen“. Dank eines russischen Ethnologen wurde des Wort „saman“ bzw. Schamane weltweit bekannt. Das Wort Schamane inkludierte Angehörige verschiedener Heil- und Wahrsagekünste, Angehörige aller Geschlechter.

Weitere Autoren wie Castaneda, Eliade und Harner gaben dem Schamanismus, wie er heute im Westen ausgeübt wird, sein Grundgerüst und Erscheinungsbild. Dabei flossen unter anderem romantisierende Vorstellung und persönliche Vorlieben mit ein – neben akademischen Wissen über existierende schamanische Kulturen. Michael Harner begründete den sog. „core shamanism“, den Kernschamanismus, der vielerorts immer noch die Grundlage für schamanische Ausbildungen im Westen bildet.

 

Die Verbindung mit der geistigen Welt ist die Grundlage für schamanische Arbeit
[2] Schamanismus ist bunt, lebendig und vielseitig

Schamanen gab und gibt es immer noch weltweit. Während im Westen viele Leute über die richtige Form von Schamanismus diskutieren, kritisieren einige Angehörige traditionell schamanischer Kulturen sowohl den Gebrauch des Wortes „Schamane“ für westlich ausgebildete schamanisch Praktizierende als auch die Ausübung schamanischer Techniken durch Nicht-Angehörige ihres Kulturkreises.

Eine für mich vernünftig erscheinende lösungsorientierte Annäherungsform an dieses Thema ist, zwischen Schamanen und schamanisch Praktizierenden zu unterscheiden. So meint man mit Schamane einen traditionell ausgebildeten Schamanen einer schamanischen Kultur und mit schamanisch Praktizierender einen westlichen Ausübenden schamanischer Techniken und Lebensweisen.

 

Denn Schamanismus war und ist bunt, lebendig und vielseitig. Er ist ständiger Veränderung und Anpassung unterworfen und genau das dürfen wir als Vorteil und Stärke auffassen. Schamanismus kann uns Menschen miteinander verbinden. Wenn wir es zulassen und unser Herz öffnen.

Bildnachweis: 

[1] Photo by Joshua Newton on Unsplash

[2] Photo by Luz Mendoza on Unsplash